Raus aus Sackgassen – neue Wege finden
- 19. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Apr.

Wege aus der Starre
Natur-Vorbild: Ameisen geben nie auf; wenn ein Weg blockiert ist, suchen sie so lange, bis sie einen neuen Zugang finden.Menschliche Sackgassen: Wir neigen dazu, an gescheiterten Verhaltensweisen festzuhalten („Das muss doch gehen!“), statt die Richtung zu ändern.Lösung: Abstand gewinnen, Kopf, Herz und Körper einbeziehen und durch Methoden wie den „Ideenkorb“ frische Impulse von außen zulassen.
Raus aus Sackgassen und neue Wege finden: Das Ameisen-Prinzip
Wir haben zwei Apfelbäume als Spalierobst im Garten. Jedes Jahr kommen mit den ersten Blüten die Blattläuse – und mit ihnen die Ameisen, angezogen vom süßen Honigtau. Um die Bäume zu schützen, bestrich ich die Stämme mit klebrigem Leim, um den Weg zu blockieren. Als die Blüte überreich war, war ich glücklich. Doch zwei Wochen später traute ich meinen Augen nicht: Eine Reihe von Ameisen spazierte munter auf dem Draht des Spaliers hin und her. Sie hatten einen winzigen, leimfreien Weg an einer Nebenpflanze gefunden.
Darauf muss man erst mal kommen: Wenn der direkte Weg nicht geht, sucht man so lange, bis man einen anderen Zugang findet. Wie groß ist das Gehirn einer Ameise noch mal?
Menschliche Sackgassen: Warum wir oft „kleben“ bleiben
Irgendwie schaffen Ameisen, womit wir uns als Menschen oft schwertun. Allzu oft verharren wir in eingefahrenen Verhaltensweisen. „Das muss doch gehen!“, denken wir, obwohl wir längst erleben, dass es so nicht funktioniert.
Das Paar im Dauerstreit: Man verstrickt sich immer wieder in die gleichen Vorwürfe, obwohl klar ist, dass diese Art zu reden nur zu Frust führt.
Die Hausaufgaben-Falle: Eine Mutter versucht täglich, ihre 14-jährige Tochter zu unterstützen – nach zehn Minuten giften sich beide an. Und doch wiederholt sich die Szene am nächsten Tag exakt so.
Eine Ameise würde spätestens nach dem dritten Versuch anfangen, nach einem anderen Weg zu suchen. Wir hingegen bleiben oft mit der Nase am Problem kleben und verlieren den Blick für Alternativen.
Abstand gewinnen: Kopf, Herz und Körper nutzen
Therapie und Beratung können Wege sein, um mit etwas mehr Distanz auf ein Problem zu schauen. Wenn man zu nah dran ist, sieht man nichts mehr. Am besten nutzt man dabei alles, was man ohnehin dabei hat: den Kopf zum Nachdenken, das Herz zum Fühlen und den Körper, der uns wertvolle Hinweise gibt – wenn wir lernen, ihn zu verstehen.
Genau wie Ameisen miteinander kommunizieren, um den Weg zum Honigtau zu finden, können auch wir den Austausch mit anderen nutzen. Eine besonders wirksame Methode aus dem Coaching ist der „Ideenkorb“ (entwickelt von der Schweizer Psychologin Maja Storch im Rahmen des Zürcher Ressourcen Modells).
Die Methode: Der Ideenkorb
Dabei formuliert man für ein festgefahrenes Problem eine spezifische Frage, zum Beispiel: „Ich möchte auf diese Familienfeier gehen, auf die ich keine Lust habe, die mir aber wichtig ist. Wie kann ich dort gut für mich sorgen?“
Ideen sammeln: Man geht mit dieser Frage zu Menschen, die einem idealerweise nicht zu nahe stehen. Warum? Weil Vertraute oft genauso nah am Problem kleben wie man selbst.
Den Korb füllen: Man lässt sich Lösungsideen in den Korb legen, ohne sie sofort zu bewerten.
Die Auswahl: In aller Ruhe prüft man später: Welche dieser vielen Impulse gefallen mir am besten? Welcher Weg fühlt sich passend an?
Das ist das Ameisen-Prinzip in der Praxis: Suchen, bis der passende Weg gefunden ist. Am Ende wartet bei den Ameisen der Honigtau – und bei uns Glücksgefühle und die befreiende Erfahrung, eine Sackgasse endlich verlassen zu haben.
Ihr Mario Hesse-Keil



