Resilienz und Balance: Warum Standhaftigkeit keine Starre ist
- 19. Apr.
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Aktualisiert: 23. Apr.

Der Dichter Gottfried Benn beschrieb in seiner „Hymne“ die menschliche Standhaftigkeit als das Ideal eines Boxers, der einsam und unberührbar stehen bleibt, wenn der Schlag eintrifft. Ein Ideal von Härte, das uns oft als erstrebenswert verkauft wird. Doch wer die Realität eines Boxkampfes betrachtet, erkennt schnell: Wahre Standhaftigkeit zeigt sich nicht im Verharren, sondern in der Wendigkeit.
Die Illusion der Unberührbarkeit
Ein Boxer, der starr auf einer Stelle verharrt, wird zur Zielscheibe. Seine wahre Kraft liegt in der Flexibilität: Er tänzelt, pendelt und balanciert extreme Bewegungen aus. Seine „Standhaftigkeit“ besteht darin, sich flexibel um den eigenen Schwerpunkt zu bewegen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren.
Genau diese Fähigkeit brauchen wir im Leben, wenn „Einschläge“ uns ins Trudeln bringen. Diese seelische Beweglichkeit nennen wir Resilienz.
Resilienz: Die Kunst des Zurückfederns
Die Expertin Kathy L. Kain beschreibt Resilienz nicht als Unverwüstlichkeit, sondern als einen aktiven Prozess:
Reaktion auf Stress: Wir reagieren auf Belastungen, ohne daran zu zerbrechen.
Zurückfedern: Wir finden aus dem Stresszustand immer wieder in unsere Kraft und Mitte zurück.
Wachstum: Wir gehen gestärkt aus der Erfahrung hervor und gewinnen neue Kompetenzen und Ressourcen hinzu
Das Stehaufmännchen-Prinzip
Vielleicht kennen Sie noch das Stehaufmännchen aus Kindertagen? Es ist das perfekte Symbol für den Umgang mit Krisen. Wir können nicht verhindern, dass Alltagsbegebenheiten oder Schicksalsschläge uns treffen oder gar umhauen. Aber wir können die Fähigkeit üben, wieder in unsere Balance zu kommen.
Nicht durch starre Festigkeit bewältigen wir das Leben, sondern durch das Vertrauen in unsere Fähigkeit, wieder aufzustehen. Es geht darum, nach jedem Fall neu den Lebenstanz zu wagen.
EXPERTISE Wahre Resilienz bedeutet nicht, niemals zu fallen. Es bedeutet, die Gewissheit in sich zu tragen, dass man über die nötigen „Federn“ verfügt, um immer wieder in die eigene Mitte zurückzukehren. Balance ist kein Zustand, sondern eine fortwährende Bewegung.
Ihre Annelie Hesse



