Arbeit mit inneren Beziehungen

In ihrer Entstehungszeit hat sich die systemische Therapie vor allem mit den äußeren menschlichen Beziehungen beschäftigt. Mit dem Ansatz der inneren Systeme hat sich der Blick geweitet und vertieft. Der Mensch kommt nun ganzheitlich in den Blick: in seinen Außenbeziehungen ebenso wie in seiner Beziehung zu sich selbst. Dass wir in uns eine beachtliche Vielstimmigkeit haben, zeigt sich in vielen Lebenssituationen. Wir bemerken diese Vielstimmigkeit ganz praktisch im Alltag, wenn wir uns hin- und hergerissen fühlen zwischen zwei oder oft sogar drei, vier und mehr Seiten; so, wie es der Sänger Joris sagt: „Das Herz sagt bleib, der Kopf schreit geh.“

Inzwischen ist die Rede vom „inneren Team“, dem "inneren Kind" oder "der/m inneren Kritiker*in" in unsere Alltagssprache eingesickert. Filme wie der Zeichentrickfilm "Alles steht Kopf" haben sie in anschauliche Bilder umgesetzt. Wem dies zu kindlich und zu bildhaft ist, kann vielleicht mehr anfangen mit dem Begriff der „neuronalen Erlebnisnetzwerke“. Wir wissen, dass je nach Situation unterschiedliche neuronale Erlebensnetzwerke in unserem Organismus aktiviert werden. In jedem Netzwerk sind je spezifische Elemente miteinander verbunden: eine  besondere Art zu denken, zu fühlen, zu handeln...  Das Sprachbild der "inneren Anteile" meint diese hirnphysiologisch nachweisbaren neuronalen Netzwerke des Erlebens.

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Für den systemisch-beraterischen Prozess hat die Arbeit mit inneren Anteilen eine wichtige Bedeutung. Ihr Sinn liegt in einer möglichst günstigen Gestaltung der inneren Beziehungen, in der die einzelnen Mitglieder zielführend kooperieren, statt sich gegenseitig zu lähmen, zu ignorieren oder zu bekämpfen. Es geht darum,

  • besser zu verstehen, warum ich immer wieder auf eine bestimmte Weise reagiere, obwohl ich wissen könnte, dass sie nicht weiterhilft oder destruktiv ist

  • ein besseres Zusammenspiel der inneren Seiten zu fördern, so dass ich stimmig und der Situation angemessen reagieren kann

  • mich mit ungeliebten oder verachteten inneren Seiten auszusöhnen

  • die eigene Selbststeuerung zu stärken